Amazon Schweiz – Chancen & Risiken für eCommerce-Unternehmen

24. April 2018 von

Amazon bereitet die Ausweitung seiner Präsenz auf dem Schweizer Markt vor. Jean-Gabriel Meylan, Leiter des Paketverteilzentrums der Post, bestätigte kürzlich in einem TV-Beitrag laufende Logistik-Tests mit dem Versandhandelsriesen. Zudem wickelt die Post künftig die Verzollung für Amazon ab. Kunden profitieren dann von einfacherer Bezahlung, geringeren Gebühren und einer weitaus grösseren Produktauswahl als bisher. Voraussichtlich ab Sommer 2018 ist es soweit.

Was bedeutet die Amazon-Ankunft für den Online-Handel in der Schweiz?

Dass Amazon zu dominieren versteht, zeigen ein paar Zahlen. Amazons Marktwert ist höher als jener aller grösseren Retailer der USA zusammen. Mehr als 300 Millionen aktive Nutzerkonten und über 65 Millionen Mitglieder beim Abo-Programm Amazon Prime stehen für eine sehr solide Kundenbasis. Im Ranking der wertvollsten Marken der Welt liegt Amazon laut Marktforschungsinstitut Millward Brown auf Platz 4. In einer Umfrage von Raymond James gaben 52% der Befragten an, dass sie ihre Produktsuche bei Amazon starten – und nicht bei Google.

So eindrücklich diese Zahlen auch sind, sollten sie für den Schweizer Markt relativiert werden. Bei uns gab es immer schon einen besonderen Bezug zu heimischen Unternehmen. So gibt es nicht nur eBay, sondern auch Ricardo, nicht nur Amazon, sondern auch Microspot (vormals Siroop), Galaxus usw. Dies liegt zum einen daran, dass der vergleichsweise kleine Schweizer Markt in der Expansionsstrategie der grossen Player oft keine Priorität geniesst. Findige Schweizer Unternehmer haben diese Unachtsamkeit immer schon genutzt, um eine «Schweizer» Lösung zu entwickeln und zu etablieren. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass viele Schweizer eigene Unternehmen bewusst unterstützen.

Zudem ist zu bedenken, dass Amazon den Schweizer Markt bereits bedient. Es handelt sich also nicht um einen neuen Markteintritt. Dieser Umstand dürfte die Auswirkungen für den Schweizer Online-Handel ebenfalls abschwächen.

Ein kurzes Zwischenfazit: Amazons verstärktes Engagement in der Schweiz ist ein wichtiges Thema. Die grossen Schweizer Handelsplayer müssen den mächtigen Mitbewerber im Auge behalten. Kleine und mittelgrosse Versandhändler sowie Hersteller, die auf den Handel als Partner angewiesen sind, sollten Amazon vor allem als Chance betrachten: als riesiger potentieller Markt.

eCommerce-Marketing mit Amazon

Wie können Händler und Hersteller Amazon für sich selbst nutzen? Amazon bietet zwei Plattformen für die Vermarktung eigener Produkte an: «Amazon Seller Central» für «Seller» und «Amazon Marketing Services» für «Vendoren». Die Funktionsweisen dieser beiden Plattformen unterscheiden sich kaum voneinander. Bis auf das Marketing. Vendoren können stärker für ihr Angebot werben als Seller dies bei «Amazon Seller Central» tun können.

Hier die Vorteile der beiden Plattformen im Überblick:

Amazon Seller Central

  • Geringere Provisionen an Amazon
  • Eigene Preisgestaltung
  • Direktes Feedback im Kundenkontakt
  • Keine Verhandlung mit Amazon notwendig

Amazon Marketing Services

  • Umfassende Werbemöglichkeiten
  • Kein Lager notwendig
  • Prime als Verkaufsargument (FBA-Fullfillment als Seller möglich, allerdings aufwendig)
  • Retourenabwicklung über Amazon
  • Kein Personalaufwand im Kundensupport
  • Planungsgenauigkeit

Amazon-Ads

Sponsored Products: Anbieter können auf SKU-Ebene einzelne Produkte bewerben, indem sie gegen Mitbewerber auf eine vorteilhafte Platzierung auf der ersten Suchergebnisseite bieten.

Headline Search Ads: Anbieter können mit diesen Anzeigen das Bewusstsein für eine bestimmte Produktgruppe wecken.

Produkt Display Ads: Anbieter können mit diesen Ads die Produktsichtbarkeit durch Platzierungen auf fremden Produktdetailseiten erhöhen. Damit lassen sich zum Beispiel Produkte verkaufen, die oft zusammen mit anderen Produkten verkauft werden.

 

Wer die Suchanzeigen von Google kennt, wird auch die Funktionen von Amazon-Ads intuitiv verstehen. Wie bei AdWords können Werbetreibende auf bestimmte Keywords bieten und andere ausschliessen. Amazon hat also das Rad nicht neu erfunden, sondern einfach bewährte Prozesse adaptiert. Dadurch können Händler von vorhandenen Erfahrungen aus AdWords-Kampagnen profitieren.

Werberichtlinien bei Amazon

Amazon hat viele Restriktionen und Fallstricke, die es zu beachten gilt. Wir empfehlen daher, sich mit den Amazon Werberichtlinien vertraut zu machen.

Amazon Werberichtlinien

Early Adopter gewinnen

Die grossen Schweizer eCommerce-Unternehmen sollten weiterhin ihre Stärken ausspielen: Ihre Wurzeln in der Schweiz und Ihre starke Verbundenheit zu den Schweizer Kunden. Für alle anderen Player im Schweizer Versandhandel gilt jedoch: Amazon könnte Ihre Chance auf einen höheren Marktanteil sein. Daher raten wir Ihnen, sich rasch mit den Chancen des Amazon-Marketings auseinander zu setzen und zu profitieren, bevor andere es tun. Der frühe Vogel fängt den Wurm.

Sie suchen einen Sparrings- und/oder Agenturpartner für Ihre Amazon-Strategie? Melden Sie sich gerne bei mir: caduff@adisfaction.ch.

 

Quellen:

geekwire

srf.ch

goodereader.com

Weiterlesen

YouTube Videoadvertisement – Leistungsfähiger Werbekanal oder Geldverschwendung?

07. Dezember 2018

Will man dem Networking Index der Firma Cisco Glauben schenken so wird bis ins Jahr 2021 mehr als 80% des Internettraffics aus Videostreaming bestehen. Kann das sein und was bedeutet…

Weiterlesen
Weiterlesen

REAL TIME ADVERTISING IN DER FINANZBRANCHE

22. Oktober 2018

RTA als ultimatives Instrument für die Finanzbranche? Vorab eine kurze Begriffserklärung zum Thema Real Time Advertising (RTA). RTA steht für den Ein- und Verkauf von Werbebannern in Echtzeit. Beim Real Time Advertising…

Weiterlesen
Weiterlesen

Weshalb Displaywerbung trotz Adwords, Facebook & Co. relevant ist

19. Juni 2018

«Display ist tot.» So mancher Marketer hat diesen Satz gehört. Vor allem in Anbetracht der zunehmenden Bedeutung des Performancemarketings wird gerne mal der Effekt der Displaywerbung in Frage gestellt. So…

Weiterlesen
Weiterlesen

Weniger Facebook-Reichweite für Seitenbetreiber – was tun?

23. Januar 2018

Am 12. Januar hat Mark Zuckerberg höchstpersönlich verkündet, dass der Algorithmus des Facebook-Newsfeeds geändert wird. „Private Posts“ sollen gegenüber „gewerblichen Posts“ wieder die Oberhand gewinnen. Nutzer sollen auf Facebook in…

Weiterlesen

Folgen Sie uns