Murks & Co

18. Juli 2013 von

Quarks & Co zum Thema Online-Werbung

Eigentlich schätze ich Ranga Yogeshwar und seine Wissenssendungen. Wenn Atome, Enzyme oder Brückenbau erklärt werden, kann ich auch noch eine Menge dazulernen und bin nicht in der Position, die Beiträge zu hinterfragen. Das ändert sich allerdings, wenn es um das Thema Online Marketing geht, so wie am 09.07. im Rahmen der „Quarks & Co“-Sendung „Werbung – wie wir verführt werden“.

Das Video in der ARD-Mediathek (ab ca. 34:00)

Zu viel Populismus, zu wenig journalistische Sorgfalt

In der ohnehin schon bösen Welt der Werbung wird Online Marketing als der Oberschurke dargestellt. Der Vergleich von Targeting-Technologien mit einem „weit verzweigten Spionage-System“ spiegelt leider die unter vielen Journalisten und Politikern verbreitete Meinung wider. Die Redaktion von Quarks & Co. hat es zugunsten des Populismus mit der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht immer ganz genau genommen.

  • Zwar werden in der Tat eine Vielzahl von Cookies gesetzt, um Erkenntnisse über das Surf- und Kaufverhalten von Usern zu erlangen, aber entgegen der Aussage im Beitrag ist anhand dieser Cookies in keiner Weise ein Rückschluss auf die Person „Sarah“ möglich. Es handelt sich also nicht um persönliche, sondern anonyme Daten.
  • Dass „Sarah nichts davon mitbekommt“, mag stimmen. Doch jedem User ist es grundsätzlich möglich, die auf seinem Rechner gespeicherten Cookies einzusehen und diese zu löschen.

Umso bemerkenswerter, dass das im Beitrag exemplarisch gezeigte Ergebnis der Targeting-Maßnahmen völlig harmlos, für den Nutzer sogar vorteilhaft ist. Sarah hat einen Fahrradhelm gekauft, den sie ohnehin brauchte! Wenn dies auch sicher nicht die Absicht der Redakteure war – hier zeigen sie, dass sinnvoll eingesetztes Targeting Mehrwert auf beiden Seiten stiftet. Der Werbetreibende verringert Streuverluste und der Kunde sieht relevante Werbung für Produkte oder Dienstleistungen, die ihn interessieren.

Doch wie soll sich der deutsche Durchschnittsbürger ein differenziertes Bild von Werbe-Technologien machen, wenn selbst „Quarks & Co“ als höchste wissenschaftliche Instanz des Volkes dies nicht kann – oder nicht möchte. Es bleibt bei Halbwahrheiten, die besonders gerne nachgeplappert werden, wenn die Aussage ist, dass „die da oben sowieso alle Daten von uns sammeln“. Die jüngsten Enthüllungen rund um die zweifellos bedenklichen Aktivitäten von NSA & Co. sind Wasser auf die Mühlen.

Unverzichtbar: Umfassende User-Aufklärung

All das zeigt: Eine umfassende Verbraucher-Aufklärung ist unbedingt nötig. Die deutsche Online Marketing Industrie leistet mit der OBA Selbstregulierung dazu bereits einen ersten wichtigen Beitrag, den auch adisfaction aktiv unterstützt. Denn nicht nur die Werbeindustrie braucht Targeting-Technologien, auch die User profitieren davon. Zu ihren Interessen passende Werbung ist nur ein Vorteil. Dass die werbetreibenden Unternehmen einen Großteil der gerne genutzten kostenlosen Online-Services wie News-Seiten und soziale Netzwerke finanzieren, sollte ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Welcher deutsche Internet-User möchte schon dafür zahlen, wenn er mal eben Spiegel-Online checkt. Ranga Yogeshwar vielleicht, aber dem kann die Abhängigkeit von Werbeeinnahmen ohnehin egal sein.

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