«Viele Banken-Apps sind mangelhaft.»

10. Januar 2012 von

Genau das berichteten unter anderem wiwo.de und Das Investment Ende November. Dabei berief sich der Redakteur Jan Willmroth auf eine Studie des Schweizer Marktforschungsunternehmens My Private Banking. Bei der Erhebung wurden knapp 200 Handy-Apps von 50 internationalen Banken analysiert, darunter auch fünf deutsche.

Die Liste der Kritikpunkte ist lang:

1. Zu starker Fokus auf das iPhone: Offenbar werden häufig nur Apps für iOS angeboten, die dazu oftmals nicht mal auf dem iPad laufen.
Unser Kommentar: Die Marke Apple strahlt auch nach Steve Jobs Ableben noch überlebensgroß. Und offenbar tauchen in den Marketingabteilungen der Banken und bei ihren IT-Dienstleistern selten Geräte mit anderen Betriebssystemen auf. Anders ist es nicht zu erklären, warum iOS trotz eines Marktanteils von unter 20 Prozent (Quelle) bevorzugt wird. Dass Android aber längst die Nr. 1 ist und Microsoft seinen Erzrivalen Apple im Laufe der nächsten Jahre wahrscheinlich einholen wird, sollte aber spätestens jetzt berücksichtigt werden.

2. Mangelnder Funktionsumfang: Nur bei zwei Dritteln der Apps lassen sich Kurse abrufen, nur bei 40 Prozent ist der Handel möglich.
Unser Kommentar: Solche Insellösungen sind ein netter Einstieg ins Mobile Banking. Das Problem besteht darin, dass die Einstiegsphase bereits vorbei ist. Fast die Hälfte aller 2011 verkauften Mobilen Devices in Deutschland sind Smartphones – und der Boom (Quelle) ist noch nicht vorbei. Es dienst also nachhaltiger Kundenbindung, jetzt zu handeln: Wer möchte schon darauf warten, bis Mobile Services zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden?

3. Kaum nützliche Inhalte: relevante Produktinformationen, Marktberichte, Kontakt zum Kundenberater, Video-Content, Kundenmagazine? Leider häufig Fehlanzeige. Unser Kommentar: Da drängt sich ein Verdacht auf, dass im App-Fieber 2011 so manche Abteilung nur schnell die frohe Botschaft für den Vorstand generieren wollte, man sei „dabei“.

4. Sicherheit und Datenschutz: Diese Aspekte sind häufig unter dem Standard von Online-Banking-Angeboten gelöst.
Unser Kommentar: Dass beim Datentransfer mit veralteter Technologie gearbeitet wird, ist kaum zu rechtfertigen. Das muss nicht sein. Das Thema Identitätsprüfung ist aber mit Stolperfallen versehen. Eine hundertprozentige Lösung zur Identitätsprüfung ist noch nicht marktreif. Gesichtserkennung? Fingerabdruck-Scan? Wir werden sehen…

Die gute Nachricht zum Schluss: Die Deutsche Bank kam mit 50 von 60 möglichen Punkten auf Platz 1. Die App „Meine Bank“ verfüge über alle gängigen Banking- und Brokerage-Funktionen, so die Studienmacher, sei aber auch nicht für Android zu haben.
Trotzdem: Wir gratulieren!

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